Was für besondere Zahlungsmöglichkeiten gibt es?

Wenn der Erwerb komplett oder zum Teil aus einer Rente, einem wiederkehrenden Nutzungsrecht oder einer anderen sonstigen Leistung besteht, kann beantragt werden, dass die darauf entfallende Steuer vom Wert der jährlich erhaltenen Zuwendungen entrichtet wird. Dann ist die Steuer nicht sofort auf den Gesamtwert des Bezuges, sondern jedes Jahr anteilig zu entrichten. Die Jahressteuer muss auch dann noch weiter abgeführt werden, wenn die Summe pro Jahr entrichteten Zahlungen über die auf den Gesamtwert anfallende Steuer hinausgeht. Die Pflicht, jährlich zu zahlen, kann jederzeit mit ihrem Kapitalwert abgelöst werden.

 

Stundung der Erbschaftsteuer bzw. Schenkungsteuer

Sofern es sich um ein Betriebsvermögen handelt, ist es unter bestimmten Voraussetzungen möglich, dass die Steuer gestundet wird.

Innerhalb welchen Zeitraumes muss das Finanzamt über eine Schenkung bzw. ein Erbe informiert werden?

Jeder Erwerb, der der Erbschaft- oder Schenkungsteuer unterliegt, muss dem hierfür zuständigen Finanzamt von der erwerbenden Person innerhalbvon drei Monaten nach dem Tag gemeldet werden, an dem sie Kenntnis von dem Vermögensfall erhält.

Es gibt jedoch Ausnahmen:

Wenn der Erwerb auf einem von einem deutschen Gericht, einem Notar oder Konsul eröffneten Testament beruht und zum Erwerb weder Grundbesitz noch Betriebsvermögen und auch keine nicht von einem Kreditinstitut verwalteten Anteile an Kapitalgesellschaften und kein Auslandsvermögen gehört, dann ist keine Meldung erforderlich.

Wenn eine Schenkung unter Lebenden gerichtlich oder notariell beurkundet wurde, ist auch keine Anzeige erforderlich.

Besonderheiten beim „Berliner Testament“

Sowohl Ehegatten als auch eingetragene Lebenspartner können ein gemeinsames Testament aufsetzen, in dem sie sich gegenseitig als Alleinerbe einsetzen. Der Ehegatte, der überlebt, versteuert seinen Erwerb nach dem Ehegatten, der zuerst stirbt. Wenn der letztversterbende Ehegatte stirbt, liegt nur ein Erwerb des Schlusserben (z.B. des Kindes) nach diesem und nicht nach dem erstverstorbenen Ehegatten vor. Somit kann der Schlusserbe (z.B. das Kind) den persönlichen Freibetrag nur einmal nutzen. Man sollte sich daher die Gestaltung gut überlegen und unbedingt vorab mit dem Steuerberater besprechen, damit die Folgen ggf. berechnet werden können.

Die Beteiligten leben im Ausland – wie wirkt sich das steuerlich aus?

Wenn die vererbende Person zum Zeitpunkt des Todes, die schenkende Person zum Zeitpunkt der Schenkung oder die erwerbende Person zu einem dieser Zeitpunkte ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hatte oder als deutsche/r Staatsangehörige/r weniger als fünf Jahre im Ausland gewohnt hat, fällt die Erbschaft oder Schenkungsteuer grundsätzlich ohne Einschränkungen auch für im Ausland liegendes Vermögen in Deutschland an (unbeschränkte Steuerpflicht). Wenn das nicht der Fall sein sollte, ist grundsätzlich nur in Deutschland vorhandenes Vermögen beschränkt steuerpflichtig.

In letzterem Fall beträgt der Freibetrag nur € 2.000,–.

Auf Antrag der erwerbenden Person kann der Erwerb von Todes wegen oder die Schenkung jedoch als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt werden.

Die Bedingung hierfür ist, dass die vererbende Person zum Zeitpunkt des Todes, die schenkende Person zum Zeitpunkt des Erwerbs oder die erwerbende Person zu einem dieser Zeitpunkte ihren Wohnsitz in einem Mitgliedstaat der EU oder des EWR hatte. Wenn man solch einen Antrag stellt, wird beim aktuellen Erwerb auch das im Ausland belegene Vermögen in Deutschland besteuert. Wenn es sich um eine Schenkung handelt, gelten außerdem alle Zuwendungen der gleichen schenkenden Person in einem Zeitraum von 10 Jahren nach dem o.g. Zeitpunkt in Deutschland als unbeschränkt steuerpflichtig. Bei einer Erbschaft werden alle Zuwendungen der vererbenden Person in einem Zeitraum von 10 Jahren vor dem Erbfall an die gleiche erwerbende Person als unbeschränkt steuerpflichtig behandelt.

Wenn man einen Antrag auf unbeschränkte Steuerpflicht stellt, profitiert man von den vom Verwandtschaftsverhältnis abhängigen höheren Freibeträgen.

Die Erbschaft- oder Schenkungssteuer, die in einem anderen Staat erhoben wird, kann, wenn man unbeschränkt steuerpflichtig ist, auf die deutsche Steuer angerechnet werden. Sofern zwischen Deutschland und einem anderen Staat ein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung abgeschlossen wurde, gelten besondere Regelungen. Im Augenblick betrifft das Dänemark, Schweden (da in Schweden die Erbschaftsteuer weggefallen ist, ist das jedoch unerheblich), Griechenland, die Schweiz und die USA.

Bewertung des erworbenen Vermögens

Der steuerpflichtige Erwerb bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer ist die Bereicherung des kompletten, nicht steuerbefreiten, Vermögensanfalls, wobei die damit in Zusammenhang stehenden Schulden und Lasten berücksichtigt werden. Zur Ermittlung der Bereicherung muss man erst einmal alle auf die erwerbende Person übergegangenen und nicht steuerbefreiten Vermögensgegenstände erfassen und gemäß den Vorschriften des Bewertungsgesetzes bewerten (sog. Rohvermögen). Dabei muss man den Wert des Vermögens zum Zeitpunkt der Entstehung der Erbschaft- bzw. Schenkungsteuer bestimmen.

Grundbesitz:
Bei Grundeigentum ist die Frage, ob es sich um ein bebautes Grundstück handelt oder nicht. Wenn ein Grundstück unbebaut ist, richtet sich ihr Wert nach ihrer Fläche und den aktuellen Bodenrichtwerten, die durch Gutachterausschüsse gemäß Baugesetzbuch bestimmt wurden. Ist es bebaut, kommt es bei der Bewertung auf die Grundstücksart an.

Vergleichswertverfahren
Das Vergleichswertverfahren wird grundsätzlich bei der Bewertung von Ein- und Zweifamilienhäusern, Wohnungs- und Teileigentum angewendet. Man leitet dabei den Grundstückswert aus den Kaufpreisen ab, die tatsächlich für vergleichbare Grundstücke gezahlt worden sind.

Ertragswertverfahren
Das Ertragswertverfahren wendet man bei Mietwohngrundstücken, Geschäftsgrundstücken und gemischt genutzten Grundstücken an, für die am örtlichen Grundstücksmarkt eine übliche Miete erzielt werden kann. Neben dem Bodenrichtwert gehen in die Werte des Grundstücks auch die aufstehenden Gebäude ein.

So ermittelt man den Gebäudeertragswert:

Rohertrag (Jahresmiete bzw. übliche Miete)
– Bewirtschaftungskosten
– Bodenwertverzinsung
____________________________________
= Gebäudereinertrag

x Vervielfältiger
____________________________________
= Gebäudeertragswert

Dabei zieht man die Bewirtschaftungskosten mit einem pauschalen Betrag ab, der sich nach der Art des Grundstückes und der Dauer der Restnutzung des Gebäudes richtet. Bei der Bodenwertverzinsung kommt es auf den Wert des Grund und Bodens an sowie auf den anzuwendenden Zins der Liegenschaft.

Sachwertverfahren

Wenn man für Ein- und Zweifamilienhäuser, für Wohnungs und Teileigentum keinen Vergleichswert ermitteln kann oder wenn es für Geschäftsgrundstücke und gemischt genutzte Grundstücke keine übliche Miete gibt, ermittelt man diese Grundstücke und sonstige bebaute Grundstücke im sog. Sachwertverfahren. Außer dem Bodenrichtwert zieht man den Wert der aufstehenden Gebäude (mit einem Wert, der sich nach den Herstellungskosten richtet) zur Berechnung des Wertes des Grundstückes heran.

So ermittelt man den Gebäudesachwert:

Flächenpreis (Regelherstellungskosten)
x Bruttogrundfläche
________________________________
= Gebäuderegelherstellungswert

– Alterswertminderung
________________________________
= Gebäudesachwert

Man multipliziert die Summe des Wertes von Grund und Boden und der Gebäude (d.h. den Gesamtwert) mit einer von der Grundstücksart, dem Bodenrichtwert und dem Gesamtwert abhängigen Wertzahl. Man kann grundsätzlich bei allen Verfahren einen niedrigeren gemeinen Wert nachweisen. Das ist der Preis, den man im gewöhnlichen Geschäftsverkehr bei einem Verkauf erzielen könnte (Verkehrswert). Dieser Wert muss durch ein Gutachten eines Sachverständigen für die Bewertung von Grundstücken oder des örtlichen Gutachterausschusses berechnet werden.

Steuerfreies Schenken von selbst genutztem Wohnraum:

Das Schenken von selbst genutztem Wohnraum kann unter bestimmten Bedingungen völlig steuerfrei geschehen. Lassen Sie sich von uns beraten, dann sind sie auf die Details gut vorbereitet.

Betriebliches Vermögen

Zum begünstigten betrieblichen Vermögen zählen:

  • bestimmtes land- und forstwirtschaftliches Vermögen im Inland bzw. der Europäischen Union
  • inländisches oder in der Europäischen Union belegenes betriebliches Vermögen
  • Anteile an einer inländischen Kapitalgesellschaft oder einer Kapitalgesellschaft mit Sitz oder Geschäftsleitung in der Europäischen Union, wenn die  vererbende oder schenkende Person an dieser unmittelbar zu über 25% beteiligt war. Anteile weiterer Gesellschafter können unter bestimmten Bedingungen bei der Ermittlung der Beteiligungsquote berücksichtigt werden

Regelverschonung
Begünstigtes Unternehmensvermögen bleibt zu 85% steuerfrei (Verschonungsabschlag). Die übrigen 15% werden um einen Abzugsbetrag von € 150.000,– reduziert. Der Abzugsbetrag wird um 50% des Betrages vermindert, der € 150.000,– übersteigt.

Aufgrund des Abzugsbetrages kann man Unternehmensvermögen, das bis zu € 1 Million wert ist, steuerfrei übertragen. Durch die Kürzung fällt der Abzugsbetrag ab einem Unternehmensvermögenswert von € 3 Millionen weg.

Für Unternehmensvermögen gibt es unter den folgenden Bedingungen eine Steuerbefreiung:

Regelverschonung:
Die Summe der Löhne und Gehälter, die in den folgenden fünf Jahren gezahlt werden, darf 400% der Ausgangslohnsumme (Mindestlohnsumme) nicht unterschreiten. Die Antragslohnsumme errechnet man aus der Lohnsumme, die in den letzten fünf Wirtschaftsjahren vor der Übertragung durchschnittlich gezahlt wurde. Sollte die Lohnsumme des Unternehmens am Ende des Fünfjahreszeitraumes niedriger sein als die Mindestlohnsumme, fällt der Verschonungsabschlag um einen der Unterschreitung entsprechenden Betrag niedriger aus.

Die Lohnsummenregelung wird nur bei Betrieben angewendet, die im Moment der Übertragung über 20 Arbeitnehmer beschäftigen.

Wenn die erwerbende Person den Betrieb innerhalb von fünf Jahren veräußert oder aufgibt, entfällt die Verschonung anteilig. Die Höhe des Wegfalls richtet sich danach, welcher Zeitraum noch bis zum Ablauf der Fünfjahresfrist verbleibt.

Vollständige Verschonung

Das begünstigte Unternehmensvermögen kann auf Antrag der erwerbenden Person vollständig steuerfrei gestellt werden. Jedoch sind hier die Verschonungsvoraussetzungen strenger als im Fall der Regelverschonung.

Für die vollständige Steuerbefreiung für das Unternehmensvermögen gelten folgende Bedingungen:

Die Frist der Lohnsummenregelung sowie der Behaltensregelung verlängert sich bei der vollständigen Verschonung auf sieben Jahre. Die Mindestlohnsumme liegt bei 700% der Ausgangslohnsumme.

Bitte beachten Sie:
Sollte es sich um ein vermögensverwaltetes Unternehmen handeln, ist eine Steuerbefreiung nicht möglich. „Vermögensverwaltet“ bedeutet, dass das Vermögen des Unternehmens zu mehr als 50% (bei der Regelverschonung) bzw. zu mehr als 10% (bei der vollständigen Verschonung) aus Verwaltungsvermögen besteht.

Als Verwaltungsvermögen gelten:

– Grundstücke, Grundstücksteile, grundstücksgleiche Rechte und Bauten, die Dritten zur Nutzung überlassen werden.
– Beteiligungen von höchstens 25% an einer Kapitalgesellschaft
– Beteiligungen an einer Personen- oder Kapitalgesellschaft, sofern diese selbst ein vermögensverwaltendes Unternehmen ist
– Wertpapiere und damit vergleichbare Forderungen sowie
– Wissenschaftliche Sammlungen, Bibliotheken, Archive, Kunstsammlungen, Kunstgegenstände, Münzen, Edelmetalle und Edelsteine unter bestimmten Voraussetzungen